
Lustig ist der erste Krimi des Erfinders der Känguru-Chroniken nicht, unbedingt lesenswert aber schon. Er ist spannend und leider schrecklich aktuell.
Der Schatten von Social Media
Yasira Saad, Hauptkommissarin beim BKA, sitzt gerade bei einem Date, als ihr ein grausames Video zugespielt wird: eine Vergewaltigung. Das Video geht sofort viral, und in den sogenannten sozialen Medien hat jeder eine Meinung dazu. Mehr verrät Marc Uwe Kling in Interviews nicht zur Handlung, und damit hat er recht, denn das würde die Spannung zerstören.
Dieses Krimidebut ist eigentlich eine gesellschaftskritische Dystopie, und zwar eine so reale, dass sie schon morgen Wirklichkeit werden könnte. - Hoffentlich nicht!
Kling kann nicht nur Känguru, Kling kann auch Krimi. Mit der Ermittlerin Yasira Saad hat er eine überzeugende Hauptfigur geschaffen, Plot und Dramaturgie sind stimmig, und dass Kling mit Sprache umgehen kann, hat er ja schon in seinen früheren Werken bewiesen.
Marc-Uwe Kling, Views, Ullstein, 272 S., 15,99 Euro
Marc-Uwe Kling - (nicht nur) Krimiautor
Marc-Uwe Kling hat als Kleinkünstler und Liedermacher begonnen. Für seine Geschichten um ein kommunistisches Känguru wurde er 2010 mit dem Deutschen Radiopreis und 2013 mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. Kling ist u.a. auch Autor der satirischen Dystopien „Qualityland“ und des Vorlesebuchs„Neinhorn“.
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